Es ist kein echtes 5-Sterne-Hotel. Immerhin wird hier mit falschen Erwartungen schnell aufgeräumt. Besonders hervorzuheben ist der fantastische japanische Toilettensitz, der sämtliche Annehmlichkeiten moderner Intimhygiene verspricht. Leider funktionierte er nicht. Ich vermute, dass er auch in anderen Zimmern eher als Deko- denn als Desinfektionsartikel dient. Im wahrsten Sinne des Wortes: Hier geht nur der Reinfall. Ein weiteres Highlight ist die Kaffeemaschine beim Frühstück. Eine einzige für geschätzte 230 Gäste! Ein geniales Konzept, um sich schon morgens auf die Toilettenschlangen beim Oktoberfest vorzubereiten. Warum das positiv ist? Weil die Situation so absurd war, dass wir wenigstens etwas zu lachen hatten. Fazit: Wellness fürs Auge, Warteschlangen fürs Gemüt und Hygiene auf Knopfdruck – zumindest theoretisch. Humor ist hier tatsächlich inklusive. Und das ist bei diesen Preisen auch dringend nötig. Wir kamen spätabends an und fanden ein mit beeindruckender Sorgfalt vorbereitetes Zimmer vor: keine Hausschuhe, leerer Taschentuchspender und Haare auf dem Sofa – vom Vorgänger oder dessen Hund. Immerhin eine persönliche Note. Die Ausstattung erinnert eher an 3 bis 4 Sterne. Dafür gibt’s hinter dem Hotel einen Bahnbetriebshof inklusive Zugkonzert bis 3 Uhr morgens. Wer leicht schläft, sollte lieber vom Zug aufs Hotel schauen als umgekehrt. Das Frühstück ist ein weiteres Highlight der Industriekultur: Käse und Ei offenbar frisch aus der Tüte. Besonders appetitlich: Das Personal verteilte die Käsescheiben einzeln mit bloßen Händen auf die Teller. Handarbeit wird hier eben großgeschrieben! Ein kleines Frühstückscafé mit frischen Produkten wäre deutlich sinnvoller als dieses lieblose Industriebuffet. Fazit: Drei-Sterne-Komfort, Bahnhofsromantik und Discounter-Frühstück. Nur der Preis spielt konsequent in der Fünf-Sterne-Liga
Davidأمس